Online in die Ferien

St.-Gotthard-Gymnasium entlässt mit Videoübertragung seine Schülerinnen und Schüler in die verdienten Sommerferien.

Ungewohnt war das Ambiente für die Segensfeier zum Schulschluss am St.-Gotthard-Gymnasium Niederalteich – ungewohnt wie vieles an diesem ungewöhnlichen Schuljahr. Und trotzdem schloss sich hier ein Kreis: Dort, wo sich in der für diesen Anlass aufgeräumten Baustelle schon die künftige Eingangshalle erahnen lässt, versammelten sich einige der 5. Klässler, um gemeinsam mit P. Ambrosius OSB und Schulleiter Johann Lummer dieses eigenartige Schuljahr, in dem so vieles unfertig bleiben musste, ausklingen zu lassen.

Nichts, so der Schulleiter, hätte ihn am Beginn dieses Schuljahres im Herbst ahnen lassen, dass bis zum Ende die ganze Schule online sein könne, dass in allen Jahrgangsstufen Unterricht digitalisiert stattfände, Konferenzen, Schulstunden, ja die ganze Feier zur Übergabe der Abiturzeugnisse über Internet und Video übertragen würde. Johann Lummer zeigte sich in seinem kurzen Jahresrückblick daher stolz auf die Kraft seiner Schulgemeinschaft, die den Herausforderungen der Coronakrise so flexibel begegnen konnte. So wurde nicht nur innerhalb kürzester Zeit nach der Schulschließung der gesamte Unterricht fürs Home-Schooling über MS Teams organisiert, sondern seit der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen konnten – dank großer Unterrichtsräume – zuerst die Q 11 und dann auch die 10. Klassen vollständig in den Präsenzunterricht zurückkehren. Und für alle anderen Schüler, die im wöchentlichen Wechsel jeweils mit einer Hälfte der Klasse in Niederalteich unterrichtet wurden, fand sogar wieder Ganztagsbetreuung statt, wenn auch unter den einschränkenden Auflagen der Hygiene- und Abstandsvorschriften. So musste auch Schülersprecherin Eva Thaller Q 11 in ihrer kurzen Ansprache feststellen: „Es spricht für uns alle, wenn man sagen kann, wir haben wirklich das Beste aus der Situation gemacht.“

So war es nur konsequent, wenn diese kleine Abschlussfeier aus der sich noch im Rohbau befindlichen Eingangshalle über Videoschaltung in die Klassenzimmer übertragen wurde, wo sich die Schüler mit ihren Klassen- und Kurslehrern versammelt hatten, ehe sie mit ihren Jahreszeugnissen, die nach einem Schulhalbjahr im Krisenmodus auch nur einen Rohentwurf erbrachter Leistungen enthalten können, in die wohlverdienten Ferien gingen.

Was „Ferien“ bedeuten kann, erläuterte P. Ambrosius in seiner kurzen Ansprache zu Mt 11,28ff: Das Covid-19-Virus halte seit Monaten die Menschen in Atem, ja nehme ihnen den Atem. Umso wichtiger sei es nun, in diesen Wochen der Ferien wieder zu Atem zu kommen. Das Wort Jesu „Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29) zeige, wie das geschehen kann. Von Herzen demütig sein, bedeute, innerlich frei zu sein und auszusteigen aus dem täglichen Wettbewerb, der Beste, Schönste, Sportlichste oder Coolste sein zu wollen. Dieser Ausstieg erfordere Mut, das stecke in dem Wort „Demut“. So wünschte P. Ambrosius den Schülern Gelegenheiten, einfach nichts zu denken und nichts zu wollen.

Zu guter Letzt galt es noch Abschied zu nehmen von verdienten Kollegen, die zusammen, so Schulleiter Johann Lummer, über 175 Jahre Schuldienst im St.-Gotthard-Gymnasium zusammengebracht hätten. Mit Angelika Konrad (33 Jahre), Paul Mader (32 Jahre), Franz Dietl (35 Jahre), Georg Schmid (36 Jahre) und Franz Mühlfried (38 Jahre) gehe ein Stück Schulgeschichte in den Ruhestand.

Während Schüler und Kollegen allmählich das Schulhaus in die Ferien verlassen, gehen die Bauarbeiten in der künftigen Eingangshalle weiter. Anders als auf der Baustelle, wo sich der entstehende Neubau schon klar abzeichnet, kann man die Situationen noch nicht einschätzen, vor die das Virus im Herbst die Schule stellen wird. Aber das hat sich gezeigt: Das St.-Gotthard-Gymnasium ist auf alle Fälle gut gerüstet.